Petition
Die Kampagne wurde bis 15. Juni verlängert!
Der Landeselternbeirat von Hessen und die Landesschülervertretung Hessen stellen fest, dass sich die Verkürzung des gymnasialen Bildungsganges in der Sekundarstufe I unter G8 nicht bewährt hat. Aus diesem Grund fordern hessische Eltern und Schüler die Rückführung der Sekundarstufe I zu einer sechsjährigen Schulzeit. Eine Neugestaltung der Sekundarstufe II mit dem Ziel, die allgemeine Hochschulreife nach zwei als auch nach drei Jahren erreichen zu können ist aus stichhaltigen Gründen das bessere Konzept.
Aktuelle formale Probleme, wie der fehlende Mittlere Abschluss nach Klasse 9 für Schüler/innen, die mit dem Ende der verkürzten Sekundarstufe I den gymnasialen Bildungsgang verlassen, sowie die fehlende Übernahme der Schülerbeförderungskosten im 10. Schuljahr, wären so beseitigt. Unzumutbar ist die jetzige Situation: Derzeit ist der Mittlere Abschluss in Hessen grundsätzlich erst nach zehn Schuljahren möglich. Noch immer ist es nicht gelungen, für Schülerinnen und Schüler, die mit dem Ende der Sekundarstufe I nach der Klasse 9 den gymnasialen Bildungsgang verlassen, den mittleren Abschluss anzuerkennen. Ein Erreichen des Mittleren Abschlusses ist in Hessen erst nach zehn Schuljahren möglich. Infolge der abweichenden Konzeption einer Verkürzung des gymnasialen Bildungsganges in den anderen Bundesländern ist in absehbarer Zeit auch keine angemessene Lösung des hessischen Problems auf der Ebene der Kultusministerkonferenz zu erwarten.
Andererseits gilt aber bei der Schülerbeförderung, dass im verkürzten gymnasialen Bildungsgang die Sekundarstufe I in Klasse 9 endet und die Kosten der Schülerbeförderung im 10. Schuljahr, abweichend zu allen anderen Bildungsgängen nicht bezahlt wird. Die Kostenübernahme wird mit der Begründung verweigert, dass im verkürzten gymnasialen Bildungsgang die Sekundarstufe I nach dem Jahrgang 9 ende.
Die Lernbelastung für Schülerinnen und Schüler ist trotz der Kürzung der Lehrpläne noch immer sehr hoch und führt zu großem Stress, auch innerhalb der Familie. Die Lerninhalte können nicht in angemessener Weise vertieft und gefestigt werden. Ein geringerer Bildungserfolg, als eigentlich möglich, ist die Folge. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Einführung von Bildungsstandards zu einer grundlegenden Änderung dieser Situation führen wird. Dagegen besteht auf der Grundlage entwicklungsbiologischer Erkenntnisse die berechtigte Hoffnung, dass Schüler in der Sekundarstufe II ein deutlich verbessertes Rezeptions- und Arbeitsverhalten zeigen als während der Pubertät.
Zur verschlechterten Unterrichtsqualität, mangelnden Nachhaltigkeit des Lernerfolgs in Sekundarstufe I und unerträglichem Stress für alle Beteiligten in im verkürzten gymnasialen Bildungsgang liegen in Hessen zahlreiche Erfahrungswerte und Rückmeldungen vor. Eltern und Schüler klagen über fehlendes Einüben wichtiger Inhalte. Die Kinder werden innerhalb kurzer Zeit mit Massen von Stoff konfrontiert, der nicht ausreichend im Gedächtnis verankert wird, aber eigentlich als Basis für spätere Lektionen dienen muss. Das Fundament der Schulbildung wird so geschwächt.
Die Ergebnisse der Schulinspektion sollten von unabhängigen Wissenschaftlern gezielt und objektiv auf Hinweise der Fehlentwicklung unter G8 durchgesehen werden. Erste Interpretationen vom im Zusammenhang mit den Schulinspektionen erhobenen aktuellen Daten (z.B. im Punkt 4.6 Lernen und Lehren: Zielerreichung bezogen auf Standards und Curricula) könnten Rückschlüsse auf nachlassende Leistungen der Schüler der Sekundarstufe I z.B. bei Mathematikwettbewerben geben. Die hessischen Gymnasien sind nach der Einführung des verkürzten gymnasialen Bildungsganges alle Ganztagsschulen. Es fehlt jedoch an ganztägig arbeitenden, pädagogisch sinnvollen Konzepten, die eine altersgemäße Rhytmisierung ermöglichen. Dies ist auch einem Mangel an sächlicher, räumlicher und personeller Infrastruktur geschuldet.
![]() |
![]() |
| Kerstin Geis (Vorsitzende des Landeselternbeirats von Hessen) |
Tim Huß (Vorsitzender der Landesschülervertretung Hessen) |




